BAUER AG blickt auf ein herausforderndes Jahr 2022 zurück

  • Gesamtkonzernleistung mit 1.748,1 Mio. EUR um 13,7 % deutlich über Vorjahr von 1.537,6 Mio. EUR
  • EBIT mit -68,0 Mio. EUR deutlich im negativen Bereich (Vorjahr: 36,0 Mio. EUR); Ergebnis nach Steuern bei -94,0 Mio. EUR (Vorjahr: 4,0 Mio. EUR)
  • Auftragsbestand des Konzerns zum Jahresende mit 1.445,0 Mio. EUR um 5,9 % deutlich über dem bereits hohen Vorjahreswert von 1.364,4 Mio. EUR
  • Vorsichtige Prognose 2023: Leichter Rückgang bei der Gesamtkonzernleistung und ein EBIT zwischen 35 Mio. und 60 Mio. EUR erwartet
     

Schrobenhausen – Die BAUER Gruppe blickt im Rahmen der heutigen Bilanzpressekonferenz auf ein Jahr 2022 mit vielen Herausforderungen zurück.

„Wir mussten im vergangenen Jahr einige erhebliche Ergebniseffekte verkraften, die zu einem deutlichen Verlust geführt hatten“, so Peter Hingott, Vorstand der BAUER AG. „Dennoch gab es auch Lichtblicke im letzten Jahr. Die internationalen Baumärkte konnten sich in Europa und den USA gut entwickeln und der Nahe Osten, insbesondere Saudi-Arabien, verzeichnete wieder deutliche Zuwachsraten. In Asien konnten wir gegen Jahresende 2022 mehr und mehr die Folgen der Pandemie hinter uns lassen.“

Die Ergebniskennzahlen des Konzerns wurden von zahlreichen Einflussfaktoren belastet. Dazu gehörte ein negativer Ergebnisbeitrag in Höhe von 17,3 Mio. EUR aufgrund von außerplanmäßigen Abschreibungen und Effekten aus Entkonsolidierung, die bei in Russland ansässigen Gesellschaften der Segmente Bau und Maschinen vorgenommen wurden.

Aufgrund des veränderten Zinsumfeldes und daraus resultierende deutlich ansteigende Weighted Average Cost of Capital (WACC) sowie der veränderten Beurteilung von Länderrisiken, musste der Konzern zudem deutliche Abwertungen auf das Anlage- sowie das Umlaufvermögen zum Jahresende 2022 vornehmen. Dies führt zu einem erheblichen negativen Einfluss auf die Ergebniskennzahlen in Höhe von 61,3 Mio. EUR.

Zusätzlich führte die Entscheidung zum Verkauf bzw. die Abwicklung von weiteren Tochtergesellschaften im Zusammenhang mit der bereits seit längerem laufenden Portfoliobereinigung im Zuge der Fokussierung auf das Kerngeschäft und der Verbesserung der Ertragskraft zu weiteren negativen Ergebniseffekten in Höhe von 24,6 Mio. EUR.

Infolgedessen lag das EBIT mit -68,0 Mio. EUR ebenso deutlich im negativen Bereich (Vorjahr: 36,0 Mio. EUR) wie das Ergebnis nach Steuern mit -94,0 Mio. EUR (Vorjahr: 4,0 Mio. EUR). Die Gesamtkonzernleistung der BAUER Gruppe von 1.748,1 Mio. EUR lag dagegen um 13,7 % deutlich über dem Vorjahreswert von 1.537,6 Mio. EUR.

Der Auftragsbestand des Konzerns lag zum Jahresende 2022 mit 1.445,0 Mio. EUR um 5,9 % deutlich über dem bereits hohen Vorjahreswert von 1.364,4 Mio. EUR. Im Segment Bau blieb der Auftragsbestand nahezu auf dem gleichen hohen Niveau, während dieser in den Segmenten Maschinen und Resources deutlich gesteigert werden konnte. Der Auftragseingang lag mit 1.828,6 Mio. EUR um 5,1 % über dem Vorjahreswert von 1.739,5 Mio. EUR.

Aufgrund des Konzernverlusts ging die Eigenkapitalquote von 29,3 % auf 24,8 % deutlich zurück. Die im März 2023 erfolgreich abgeschlossene Kapitalerhöhung, die einen Nettoemissionserlös von rund 100,8 Mio. EUR erbrachte, erhöht das Eigenkapital zum Ende des ersten Quartals 2023 wieder deutlich. Zudem dienen die Mittel unmittelbar der Rückführung von kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten.

 

Geschäftssegmente

Der Konzern ist mit seinen drei Segmenten Bau, Maschinen und Resources, auf allen Kontinenten der Welt tätig.

Das Segment Bau erzielte im Geschäftsjahr 2022 eine Gesamtkonzernleistung von 787,4 Mio. EUR, die mit 15,4 % deutlich über dem Vorjahr von 682,4 Mio. EUR lag. Das EBIT war mit -65,5 Mio. EUR deutlich negativ (Vorjahr: -8,6 Mio. EUR).

In den Ergebniskennzahlen des Segments sind erhebliche negative Ergebnisbeiträge aufgrund der beschriebenen Entkonsolidierung in Bezug auf die russische Gesellschaft im Segment Bau sowie die Abwertungen auf das Anlage- sowie das Umlaufvermögen enthalten. Darüber hinaus waren die operativen Ergebnisse in einzelnen Tochterfirmen negativ.

Im abgelaufenen Jahr wurden die Maßnahmen zur Optimierung der internationalen Aufstellung und zur Ertragssteigerung des Segments Bau konsequent vorangetrieben. Insgesamt wurde die permanente Präsenz mit Tochterfirmen in den internationalen Märkten bereits deutlich reduziert. Einzelne weitere Gesellschaften werden im Jahr 2023 noch folgen.

Der Auftragsbestand ist um 0,8 % von 845,5 Mio. EUR im Vorjahr auf 852,6 Mio. EUR leicht angestiegen und bewegt sich weiter auf sehr hohem Niveau. Darin enthalten sind vor allem Projekte in Europa, dem Nahen Osten und Asien und zudem einige Großprojekte. Der Auftragseingang lag mit 794,5 Mio. EUR um 1,5 % leicht unter dem Vorjahreswert von 806,6 Mio. EUR. Das Segment verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr sehr gute Auftragseingänge. Obwohl sich die Märkte weiter sehr volatil zeigten, konnten sehr große Aufträge gewonnen werden.

 

Im Segment Maschinen lag die Gesamtkonzernleistung im vergangenen Geschäftsjahr mit 747,8 Mio. EUR um 9,7 % deutlich über dem Vorjahr von 681,5 Mio. EUR. Das EBIT stieg nur leicht von 36,9 Mio. EUR auf 39,9 Mio. EUR und das Ergebnis nach Steuern von 19,1 Mio. EUR auf 19,7 Mio. EUR.

Insgesamt zeigten die Märkte in Deutschland, Europa und Amerika, insbesondere in den USA, sowie des Nahen Ostens nochmals zum Teil deutliche Anstiege bei den Verkaufszahlen. In China lagen die Verkaufszahlen aufgrund des dortigen Einbruchs des Absatzmarktes auf sehr niedrigem Niveau.

Die im Vergleich zum deutlichen Leistungsanstieg nur geringe Steigerung bei den Ergebniskennzahlen des Jahres 2022 im Segment Maschinen ist im Wesentlichen auf die beschriebenen außerplanmäßigen Abschreibungen in Bezug auf die russischen Gesellschaften sowie dem Verkauf einer Tochterfirma, die im Zusammenhang mit der Portfoliobereinigung des Konzerns veräußert wurde, zurückzuführen.

Auf der Bauma in München der weltweit größten Baumaschinenmesse, konnten den Besuchern zahlreiche Geräteinnovationen präsentiert werden. So zum Beispiel die eBG 33 all electric und mit der RG 19 T hybrid das erste Hybridgerät im Telemäklerbereich.

Der Auftragseingang konnte gegenüber dem Vorjahr von 740,4 Mio. EUR um 7,0 % deutlich auf 792,1 Mio. EUR erhöht werden. Auch der Auftragsbestand lag zum Jahresende 2022 mit 222,1 Mio. EUR deutlich über dem Vorjahreswert von 177,8 Mio. EUR.

 

Im Segment Resources konzentriert sich Bauer auf innovative Produkte und Services in den Bereichen Bohrdienstleistungen und Brunnenbau, Umwelttechnik, Pflanzenkläranlagen, Bergbau und Sanierung. Die Gesamtkonzernleistung erreichte mit 299,2 Mio. EUR einen deutlichen Anstieg um 9,8 % gegenüber dem Vorjahreswert von 272,5 Mio. EUR. Das EBIT lag aber gegenüber dem Vorjahr von 9,5 Mio. EUR mit -37,3 Mio. EUR deutlich im negativen Bereich.

Der deutliche Rückgang bei den Ergebniskennzahlen des Segments ist im Wesentlichen auf die Entscheidung zur Abwicklung der Tochterfirma in Jordanien sowie eine Abwertung bei der Beteiligung im Oman zurückzuführen.

Positiv zeigten sich im Geschäftsjahr erneut die Umwelttechnik, die Bereiche Brunnenbau und Bergbau sowie der Bereich Pflanzenkläranlagen. Das Geschäftsfeld Sanierung war im Vorjahr durch die Zusammenführung zweier Gesellschaften neu entstanden. Zum Ende des Jahres 2022 lag die Leistung deutlich über dem Vorjahr.

Der Auftragseingang lag 2022 mit 328,3 Mio. EUR um 12,7 % deutlich über dem Vorjahreswert von 291,3 Mio. EUR. Der Auftragsbestand zum Jahresende war mit 370,3 Mio. EUR um 8,6 % erheblich höher als im Vorjahr mit 341,2 Mio. EUR.

Den größten Anteil am Auftragsbestand liefert der Geschäftsbereich Bergbau mit einem Volumen von 196,2 Mio. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr gab es in diesem Bereich einen weiteren deutlichen Anstieg. Die Pflanzenkläranlage im Oman trägt aufgrund ihrer langen Betriebszeit einen weiteren erheblichen Anteil zum Auftragsbestand bei.

 

Florian Bauer und Peter Hingott führen weiter die BAUER AG

Der Aufsichtsrat der BAUER AG hat sich in seiner jüngsten Sitzung diese Woche in Abstimmung mit den beiden Vorstandsmitgliedern darauf verständigt, dass die BAUER AG von zwei Vorständen weitergeführt wird.

Nach dem Ausscheiden von Herrn Michael Stomberg als Vorstandsvorsitzender haben sich Florian Bauer und Peter Hingott die verschiedenen Ressorts bereits aufgeteilt. Herr Hingott wird dabei weiterhin das Ressort Finanzen verantworten, sowie die Kommunikation und Koordination mit Investoren, Aktionären und dem Aufsichtsrat übernehmen.

 

SD Thesaurus GmbH hat Pflichtangebot angekündigt

Am vergangenen Freitag wurde der BAUER AG von Seiten der SD Thesaurus GmbH mitgeteilt, dass die SD Thesaurus GmbH und die Doblinger Beteiligung GmbH ihr Verhalten abstimmen und hierdurch die Kontrolle über die BAUER AG erlangt haben. Mit den direkt gehaltenen Aktien und der Zurechnung hält die SD Thesaurus GmbH unmittelbar und mittelbar insgesamt 52,81 % der Stimmrechte. Die SD Thesaurus GmbH wird aufgrund der Kontrollerlangung nach der Gestattung durch die BaFin ein Pflichtangebot veröffentlichen.

Ergänzend wurde der BAUER AG mitgeteilt, dass die SD Thesaurus GmbH zusätzlich ein Delisting der Aktien der BAUER AG aus dem Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse anstrebt. Sie ist daher dazu bereit, das nunmehr ausgelöste Pflichtangebotsverfahren zugleich auch als Delisting-Erwerbsangebot auszugestalten.

Der Vorstand der BAUER AG hatte daraufhin mitgeteilt sich zu gegebener Zeit in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat damit auseinandersetzen.

 

Ausblick

Für das Jahr 2023 erwartet die BAUER Gruppe insgesamt eine stabile Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds. In Summe haben die Bau- und Maschinenbaumärkte im vergangenen Jahr ein Wachstum gezeigt, das sich fortsetzen sollte. Dennoch gab es zahlreiche negative Faktoren, wie den Krieg Russlands gegen die Ukraine, die hohe Inflation und die Zinsanstiege, sowie die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise, die die Wirtschaft bereits im letzten Jahr beeinflusst haben. Diese bleiben auch im Jahr 2023 für den Konzern die größten Unsicherheitsfaktoren.

Vor diesem Hintergrund und den damit verbundenen anhaltend schwer abzuschätzenden Auswirkungen im laufenden Geschäftsjahr, ist auch die Prognose vorsichtig definiert: Für das Geschäftsjahr 2023 erwartet die BAUER Gruppe einen leichten Rückgang bei der Gesamtkonzernleistung sowie ein EBIT zwischen 35 Mio. und 60 Mio. EUR.

„Wir sind mit einem sehr guten Auftragsbestand in das Geschäftsjahr gestartet und konnten das vergangene Jahr nutzen, um die Bilanz zu bereinigen, verlustbringende Tochtergesellschaften zu beenden und den Konzern insgesamt wieder viel stabiler aufzustellen. Wir können uns nun wieder mehr auf das operative Geschäft konzentrieren“, so Peter Hingott. „Dennoch sehen wir auch die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren in der Welt. Daher gehen wir nach einem für uns nicht einfachem Jahr, das auch einen großen Umbruch bedeutete, vorsichtig optimistisch in das neue Geschäftsjahr.“

 

Christopher Wolf
Leiter Group Communications & Marketing

Investor Relations